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Rassismus im Alltag: Wenn das Unsichtbare sichtbar wird

Beitrag der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Priska Garbin und des Vizevorsitzenden des Beirats Bassamba Diaby anlässlich des Internationalen Tages gegen Rassismus am 21. März.

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Rassismus, der am 21. März begangen wird, richtet sich der Blick auf eine Realität, die viele Menschen täglich erleben, die jedoch häufig unsichtbar bleibt. Darauf weisen Priska Garbin, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, und Bassamba Diaby, Vizevorsitzender des Beirats, hin: „Rassismus ist kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem, das Lebenswege, Chancen und Sicherheit prägt.“

Der Gedenktag geht auf ein Ereignis zurück, das die Welt zutiefst erschütterte: Am 21. März 1960 eröffneten südafrikanische Polizeikräfte in Sharpeville das Feuer auf eine friedliche Demonstration gegen die Apartheidgesetze und töteten zahlreiche Menschen. 1966 erklärten die Vereinten Nationen dieses Datum zum Internationalen Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung.

Der Anstieg an Meldungen sowie das wachsende Interesse an Sensibilisierungsarbeit zeigen, dass das Bewusstsein in der Bevölkerung für Rassismus zunimmt – ebenso wie der Wunsch nach Veränderung. „Rassismus äußert sich nicht nur in offen feindlichen Formen, sondern auch in alltäglichen Schwierigkeiten in allen Lebensbereichen: auf dem Wohnungsmarkt, im Arbeitsleben, im Kontakt mit Institutionen und im öffentlichen Raum“, erklärt Garbin zusammen mit Diaby. „Hier wird sichtbar, wie tief Vorurteile in alltägliche Prozesse eingreifen.“

Schwarze Menschen tauchen im öffentlichen Diskurs häufig nur im Zusammenhang mit Kriminalität auf; unsichtbar bleibt hingegen die Realität der großen Mehrheit, die in Südtirol Krankenhäuser, Betriebe, Pflegeeinrichtungen und Familien stützt. „Viele dieser Menschen“, betont die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, „übernehmen Verantwortung, arbeiten, pflegen und tragen tagtäglich zu unserer Gesellschaft bei – und stoßen dennoch weiterhin auf strukturelle Hürden.“

Sicherheit ist ein grundlegendes Recht“, unterstreicht Garbin. „Und sie umfasst weit mehr als Schutz vor Gewalt: Sicherheit bedeutet Zugang zu Wohnraum, gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, ohne von Vorurteilen bewertet zu werden, sowie Anerkennung und Zugehörigkeit. All das steht jedem Menschen zu.“

Wie viele Menschen bereit sind, sich für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft einzusetzen, zeigte zuletzt die Demonstration gegen die sogenannte ‚Remigration‘. „Menschen aller Altersgruppen, Berufe und Herkunft haben Seite an Seite demonstriert und ein deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung und für Solidarität gesetzt“, so Garbin und Diaby. „Die breite Teilnahme macht klar, dass die Mehrheit der Bevölkerung rassistische Narrative entschieden zurückweist und Vielfalt sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt als grundlegende Werte anerkennt.“

Rassismus jedoch verschwindet nicht von selbst: Er muss erkannt, benannt und entschlossen bekämpft werden – in Institutionen, in Strukturen und im Alltag. „Eine Gesellschaft, in der Sicherheit, Würde und Zugehörigkeit für alle garantiert sind, ist ein gemeinsamer Auftrag. Dies können wir nur gemeinsam verwirklichen“, appelliert die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Garbin abschließend.

AS

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